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Armut in der reichen Schweiz

Die Armut hat in der Corona-Krise zugenommen. Sie ist aber in der Schweiz keineswegs ein neues Phänomen. Bereits in den letzten 10 Jahren ist die Erwerbslosigkeit, die Armutsgefährdung und die Sozialhilfequote ähnlich hoch geblieben. Auch die Jahre der «Hochkonjunktur» haben daran nichts geändert.

Artikel von Hans Baumann im Work

Reiche zahlen immer weniger Steuern

Unternehmen und Reiche haben in den letzten Jahrzehnten immer weniger Steuern bezahlt und die Umverteilungswirkung der Steuern ist in der Schweiz gering. In der Conora-Pandemie sind Alle zusammengerückt und haben sich darauf konzentriert, so schnell wie möglich und unter Vermeidung von Tausenden von Opfern und einer langen Rezession aus der Krise herauskommen. Jetzt rücken Verteilungsfragen wieder ins Zentrum. Wer bezahlt letztlich für die sozialen und wirtschaftlichen Folgen einer Krise? Wer muss die grössten Lasten tragen? Wer hat womöglich sogar davon profitiert?

Hans Baumann und Robert Fluder haben in der Denknetz Zeitung genauer hingeschaut

Erbschaften verstärken die Ungleichheit

Das Volumen der vererbten Vermögen hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Eine Untersuchung der Uni Bern und der Fachhochschule Bern zeigt, dass ein Prozent aller Erben über 36 Prozent aller Erbschaften einkassiert. Zehn Prozent der Erben erhalten sogar über zwei Drittel aller Erbschaften. Da dieser hohe Anteil grösstenteils an diejenigen geht, die ohnehin bereits zu den Reichsten gehören, zementieren die rund 95 Milliarden, die jedes Jahr in der Schweiz vererbt werden, die bestehende Ungleichheit.

Der ganze Artikel von Robert Fluder und Rudolf Farys findet sich online in der Nr. 1 des Magazins „Moneta“: Erbschaften verstärken Ungleichheit…. Dort gibt es auch noch andere spannende Artikel zum Thema Vererben, z.B. von Peter Schneider und Marius Brülhart | Grafik: Verteilung der Erbschafts- und Schenkungssumme 2011 bis 2015 (Kanton Bern)

Zunehmende Vermögenskonzentration, mehr Armut

Das Denknetz-Jahrbuch erscheint seit 10 Jahren mit einem «Gleichheitsmonitor». In dieser Zeit hat sich der Reichtum in der Schweiz weiter an der Spitze konzentriert. Vor allem das reichste Prozent der Bevölkerung konnte seinen Anteil am Vermögen zulasten der übrigen 99 Prozent erhöhen. In der gleichen Zeit hat die Armut in der «reichen Schweiz» zugenommen, so ist zum Beispiel die Sozialhilfequote deutlich angestiegen. Auch die Löhne haben sich nur noch wenig erhöht, In den letzten zwei Jahren sind die Reallöhne sogar zurückgegangen.

Gleichheitsmonitor 2019 mit Kommentar | Grafik Sozialhilfe und Armutsquote in der Schweiz

Denknetz-Verteilungsbericht 2019

Die beiden Ökonomen Hans Baumann und Christian Gross im Gespräch zum Denknetz-Verteilungsbericht 2019.

Zur Video-Webseite | MP3-Datei: Download | Facebook-Video: Link

Öffentliche Investitionen stagnieren, Privatvermögen nehmen rasant zu

Während sich die Schweizer Privatvermögen unaufhaltsam erhöhen und konzentrieren stagnieren die öffentlichen Netto-Investitionen seit Jahren. Das «Volksvermögen», also der öffentliche Kapitalstock hat dadurch in der Schweiz im Gegensatz zum Privatvermögen nur noch wenig zugenommen. Doch gerade die Klimawende oder nötige Reformen in Altersvorsorge, Langzeitpflege oder Kinderbetreuung erfordern wieder eine aktivere Rolle der öffentlichen Hand.

Klimawende verlangt mehr staatliche Investitionen von Hans Baumann | Graphik: Öffentliche Investitionen stagnieren

Neuer Anlauf für eine Erbschaftssteuer? Jeder zweite Vermögensfranken ist vererbt

Die grossen Vermögen haben in der Schweiz in den letzten Jahren stark zugenommen. Jetzt zeigt eine neue Studie der Uni Lausanne, dass die Hälfte aller Vermögen aus Erbschaften besteht. Erbschaften und Schenkungen dürften 2020 95 Milliarden Franken erreichen, nachdem sie 1999 noch 36 Milliarden Franken betragen hatten. Trotzdem wurden die Erbschaftssteuern in allen Kantonen stark gesenkt, dies als Folge des Steuerwettbewerbs. Für die Kantone und Gemeinden war dies trotz allem ein Verlustgeschäft.

Die Studie von Marius Brülhart | Graphik: Erbschaftssteuer und Erbschaften

Familien zahlen mehr Krankenkasse als Steuern

Bei den Krankenkassenprämien gibt es grosse Unterschiede zwischen den Kantonen und Gemeinden. Die hohen Krankenkassenprämien ¬belasten unsere Haushaltsbudgets ¬extrem, das wissen vor allem jene, die eine Familie mit Kindern durchbringen müssen. Bei einem mittleren Einkommen müssen Familien in den meisten Kantonen sogar mehr für die Krankenkasse aufwenden als für alle Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern zusammen. Dies ergibt grosse Ungerechtigkeiten und schwächt die Umverteilungswirkung der Steuern markant.

Dazu der Artikel von Hans Baumann | Graphik: Belastung durch Steuern und Krankenkasse

Das neue Buch von Piketty: Radikale Rückverteilung nötig

Bis jetzt erst auf Englisch und Französisch herausgekommen ist das neue, 1200-seitigeWerk von Piketty. Er beschreibt darin, wie die ungleiche Verteilung des Reichtums vor allem seit 1980 zugenommen hat und welche Gefahren dies beinhaltet. Er entwirft ein Programm, das diese Entwicklung mit einer starken Steuerprogression, mit Verstaatlichung und Mitbestimmung korrigieren will. Daniel Binswanger hat in der «Republik» eine ausgezeichnete, kritische Zusammenfassung des neuen Buches verfasst.

Ungleichheit ist kein Naturgesetz von Daniel Binswanger | Graphik: Ungleichheit nimmt wieder zu

Mehrwertrate schwankt stark

Unter Mehrwertrate verstand Marx das Verhältnis des Mehrwerts zum variablen Kapital (d.h. den Kosten der bezahlten Arbeitszeit). In den Begriffen der «modernen» volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind dies die Betriebsüberschüsse + Vermögenseinkommen im Verhältnis zum Arbeitsentgelt. Dies ergibt ein Mass für die Verwertbarkeit des eingesetzten Kapitals – oder mit anderen Worten ein Mass für die Ausbeutung der Arbeitskraft. Dieser Wert schwankt im Konjunkturverlauf stark, in den USA zwischen 34 und 50 Prozent, in der Schweiz sogar zwischen 31 und 57 Prozent.

Die marxsche Werttheorie von Roland Herzog und Hans Schäppi | Graphik: Lohnquote und Mehrwertrate

Die obersten 10 Prozent besitzen drei Viertel der Vermögen

Gerade ist die neue Liste der Bilanz über die reichsten Personen der Schweiz erschienen. Die 300 Reichsten haben demnach im Jahr 2019 ihr Vermögen um 27 Milliarden auf total 720 Milliarden Franken erhöht. Vor allem die ganz Reichen haben zugelegt. Unter den 300 Reichsten gibt es 139 Milliardäre, fünf mehr als im Vorjahr. Wie und warum hat sich der Reichtum in den letzten Jahrzehnten dermassen an der Spitze konzentriert?
Die Autoren Farys, Fluder, Hümbelin und Jann gehen dieser Frage im Denknetz-Jahrbuch nach.

Verteilung der Vermögen in der Schweiz | Graphik: Vermögensverteilung Schweiz

Chancengleichheit: Schweiz schneidet schlecht ab

Bei der sozialen Mobilität schneidet die Schweiz schlecht ab. Wenn die Eltern zu den untersten 10 oder 20 Prozent in der Einkommenspyramide gehören, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch ihre Kinder dort verharren. Das gleiche gilt auch für das reichste Prozent der Bevölkerung, das seine soziale Stellung meist auf die Kinder vererbt. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die Bildungschancen betrachtet.

Isabel Martinez: Verteilung, Bildung und die Chancen des sozialen Aufstiegs | René Levy: La formation, placeur principal du système inégalitaire suisse | Graphik: Geringe Aufstiegsmöglichkeiten

Hintergrund

Wie ist Armut und Reichtum in der Schweiz und international verteilt? Was heisst das für die Betroffenen, was für die Volkswirtschaft? Ist wirtschaftliche Gleichheit ein anzustrebendes Ziel? Wenn ja, wie und in welchem Umfang? Was heisst überhaupt Einkommen- und Vermögens(un)gleichheit im Bezug auf Lebenschancen jedes Einzelnen? Diesen Fragen widmet sich die Schwerpunktseite zu Rückverteilen: Einkommens- und Lohngleicheit.

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