Editorial

Le fossé de röstis

Die Schweiz kennt vier Sprachregionen und vier Landessprachen. Deren «friedliches Zusammenleben» wird in anderen Ländern oft beachtet und bewundert. Tatsächlich kann es in einer Zeit, in der Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit die Gesellschaften spalten, ein starkes Zeichen sein für das Zusammenleben verschiedener Kulturen.

Mit ihrer Mehrsprachigkeit – zu der nebst den Landes- auch Migrationssprachen gehören – ist die Schweiz allerdings in guter Gesellschaft. In der EU gibt es nebst den 24 Amts- über 60 Regional- und Minderheitensprachen. Und kein Kontinent kennt so grosse Sprachenvielfalt wie Afrika: in den Ländern südlich der Sahara werden gegen 2.000 Sprachen gelebt. So ist Mehrsprachigkeit also keine Ausnahme, sondern Regel und Normalität. Die Frage ist: nutzen wir sie für gesellschaftliche Kohärenz oder eher für Fragmentierung und Abgrenzung?

In der Schweiz kann man nach über 200 Jahren in einem gemeinsamen Staat über die Tiefe des Fossé de röstis immer wieder mal ins Grübeln kommen. « Les Suisses s’entendent bien parce qu’ils ne se comprennent pas », besagt ein Bonmot aus der Westschweiz. Der Umgang mit Mehrsprachigkeit bleibt widersprüchlich: für die einen ist sie Ausdruck für kulturellen Reichtum und Vielfalt – für die anderen zu aufwendig, zu kompliziert oder schlicht irrelevant. Und notabene verbinden sich damit auch immer Machtfragen im Kontext von Mehr- und Minderheiten.

Mitglieder des Denknetzes haben sich lange darum bemüht, Verbindungen über die Sprachgrenzen hinweg zu stärken. Seit gut zwei Jahren nun gibt es eine Groupe Suisse Romande. Darum werden wir auch vermehrt französische Texte in unsere Publikationen aufnehmen – erstmals in dieser Denknetz-Zeitung. Dabei verzichten wir auf eine Übersetzung, sondern lassen den Text in seiner Originalsprache stehen. Das wäre auch eine Referenz an die politische Kultur der Romandie, die sich nicht einfach „übersetzen“ lässt, sondern in ihrer eigenen Ausdruckskraft wahrgenommen werden will.

Wenn wir künftig Mehrsprachigkeit im Denknetz bewusster leben, so vertrauen wir darauf, dass sich das Konzept «Chacun dans sa langue» auch bei uns bewährt. Bei Texten und Anlässen, die für das Denknetz von besonderer Bedeutung sind, werden wir weiterhin mit Übersetzungen arbeiten.

Ruth Daellenbach,
Denknetz-Präsidentin

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AutorInnen

Ruth Daellenbach, Beat Ringger, Joël Bühler, Andres Frick, Simon Rutz, Hans Schäppi, Ruth Gurny, Kurt Seifert, Holger Schatz, Gabriel Barta, Johannes Gruber, Fitzgerald Crain, Annemarie Sancar, Christa Luginbühl, Patrick Durisch, Oliver Classen,

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Das Denknetz ist der linke, sozialkritische Thinktank der Schweiz mit über 1400 Mitgliedern. Das Denknetz ist den Grundwerten Freiheit, Gleichheit und Solidarität verpflichtet. Das Denknetz konstatiert zunehmende soziale Ungleichheiten und eine Tendenz zur Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Es will die Mechanismen dieser Dynamik besser verstehen und Alternativen erkunden und diskutieren.

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