Home Foren Forum: Das System Change Klimaprogramm 2. Kapitel: Was halten Sie von den 23 Schlüsselmassnahmen?

  • Autor
    Beiträge
  • admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 3

    Was halten Sie von den 23 Schlüsselmassnahmen des System Change Klimaprogramms? Stimmen Sie überein? Haben Sie Kritik? Müssten andere Dinge berücksichtigt werden? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.

  • Karl Grunder
    Beitragsanzahl: 0

    Ich stimme mit den 23 Schlüsselmassnahmen überein. Sie greifen meiner Meinung nach die wesentlichsten Aspekte auf.
    Es würde die Übersichtlichkeit und Verständlichkeit fördern, wenn der Massnahmenkatalog strukturiert würde, beispielsweise in die im einleitenden Text erwähnten Gruppen von Programm-Punkten.

    Massnahme 11: Bei den alternativen Baumaterialien könnte auch noch der Lehm erwähnt werden.

  • Robert
    Beitragsanzahl: 0

    Ich frage mich, ob die Forderungen zu radikal sind, zumindest im Moment. Die Klimasteikenden haben den Freisinn in Bewegung gebracht, das müssen wir jetzt nutzen, um erste konkrete Schritte zu realisieren. Es ist doch besser, das E-Auto zu fördern, eine CO2-Abgabe und eine Flugticketabgabe zu bekommen als auf Forderungen zu beharren, die ohnehin nicht durchgesetzt werden können.

  • Hans Baumann
    Beitragsanzahl: 0

    Punkt 9
    Ich finde die Massnahmen als Langfriststrategie richtig. Es ist aber unmöglich, innert der nötigen Frist (die Klimakatastrophe wartet nicht) den ganzen privaten Strassenverkehr auf die Schiene bzw. ÖV umzulagern. Wie zu Kapitel 1.2 skizziert, ist deshalb die Elektromobilität als Übergangstechnologie nötig. Allerdings mit Prioritäten und flankierenden Massnahmen versehen.

  • Hans Baumann
    Beitragsanzahl: 0

    Punkt 7: Der Flugverkehr hat im Programm zu wenig Gewicht, v.a. wenn man es mit Punkt 9 (Beendigung Ära Autogesellschaft) vergleicht. Die Schweizer*innen sind Rekordvielflieger. Bei uns verursacht der Flugverkehr 18 Prozent des Klimaeffekts, die Industrie „nur“ 16 Prozent!
    Mit einer Klimaabgabe auf Flugtickets ist es deshalb nicht getan. Es braucht auch hier einen „Umverkehr“, wie beim Auto. Elemente dazu sind:
    – Verbot von Inlandflügen
    – Förderung von Alternativen: Verkehrsverlagerung auf den internationalen Bahnverkehr, bessere Zugsverbindungen, Wiedereinführung von bezahlbaren Schlafwagen auf allen längeren Bahnstrecken usw.
    – Verzicht auf Kapazitätserhöhungen auf bestehenden Schweizer Flughäfen, keine neuen Zivilflugplätze, Einfrieren der Flugbewegungen.
    – Verlängerung der Nachtruhe, d.h. Beschränkung der Flugzeiten auf allen (Schweizer) Flughäfen
    – Aktive Teilnahme der Schweiz an internationalen Abkommen zur Reduktion der Emissionen aus dem Flugverkehr

  • Helmut Knolle
    Beitragsanzahl: 0

    Das von Beat Ringger entworfene Denknetz-Klimaprogramm verbindet das Thema Klimaschutz mit der Forderung nach einem Systemwechsel („system change“). Es wird darauf hingewiesen, dass die mächtigen Interessengruppen der von fossiler Energie profitierenden Industrien alles tun, um wirksamen Klimaschutz zu verhindern. Deshalb sei ein Systemwechsel notwendig. Bis hier kann ich dem Gedankengang folgen. Aber im Anschluss daran wird eine „globale Care-Gesellschaft“ als Ziel des Systemwechsels vorgeschlagen, und das wirft Fragen auf. „Care“ ist die Pflege von Menschen, die der Pflege bedürfen. In traditionellen Gesell-schaften wurde diese Aufgabe meistens im Familienverband erfüllt. Voraussetzung war eine hinreichende Zahl und die räumliche Nähe der Familienmitglieder. Beides ist heute in der Schweiz und ähnlichen Ländern nicht mehr gegeben. Viele ältere Menschen haben nur einen Sohn oder eine Tochter, die in vielen Fällen weit entfernt leben oder oft auf Reisen sind. Deshalb braucht es öffentliche Institutionen für die Pflege. Weil die unterfinanziert sind, haben wir einen Pflegenotstand. Aber das ist, anders als der Klimawandel, kein globales Problem, sondern ein Problem der reichen Länder des globalen Nordens.

    Es stimmt, dass viele Aufgaben der Pflege heute von Frauen aus Osteuropa, Afrika und Asien übernommen werden, und dass dies eine neue Form der Ausbeutung ist, die bekämpft werden muss. Aber auch das sind Auswüchse der Globalisierung, und aus ökologischen und sozialen Gründen muss auch die Globalisierung als solche bekämpft werden. Wer dagegen eine „globale Care-Gesellschaft“ fordert, erweckt den Eindruck, die vom Kapitalismus angetriebene Globalisierung noch fördern zu wollen. Es ist nicht hilfreich für den Klimaschutz, wenn diese Forderung in einem Klimaprogramm erscheint, denn damit wird ein globales Problem, der Klimawandel, verknüpft mit einem lokalen Problem, dem Pflegenotstand in der Schweiz.

    Es ist wieder einmal Ferienzeit, und Hunderttausende Schweizer und Schweizerinnen fliegen in die fernsten Ecken der Welt und erhöhen damit ihren CO2-Ausstoss auf ein Niveau, das verboten werden müsste. Warum tun sie das? Die meisten Ferienreisen werden heute nicht gemacht, um fremde Kulturen kennen zu lernen. Ich habe in meinem Buch „Die Wachstumsgesellschaft“ (Köln 2016) behauptet, dass der Grund für die Reisewut ein ganz banaler ist, nämlich Langeweile. Wenn sie zu Hause bleiben würden, hätten sie Langeweile. Und ich habe argumentiert, dass Bildung im klassischen Sinn ein starker Schutz gegen die ausufernde Reisewut wäre. Wer gebildet ist, hat andere Interessen als Reisen nach Australien oder Hawai. Sokrates hat seine Heimatstadt Athen nie verlassen. Die Forderung, Flüge zu kontingentieren, ist zu unterstützen, aber wie kann sie mehrheitsfähig werden? Sicher nicht indem man sagt: du musst zu Hause bleiben, weil deine alte Mutter dich braucht. Aber wenn man sagt: Überleg doch mal, ob Musizieren, Tanzen, Malen, Theaterspielen oder gute Bücher lesen nicht mehr Erfüllung bringt als jedes Jahr eine Weltreise.

    Helmut Knolle, 17.7.2019

  • Christian Apl
    Beitragsanzahl: 0

    Zum Thema Klimabonus

    Ich würde den Klimabonus, also die Ausschüttung pro Kopf bis zum Erreichen der Klimaneutralität konstant halten. Da immer weniger CO2 emittiert wird, bedeutet das, dass der Preis pro Tonne steigt und klimaschädliches Verhalten auch ökonomisch immer unattraktiver wird. Außerdem kann es den Klimabonus nur befristet geben. Zwecks Planungssicherheit sollte also von vorneherein ein Zieldatum angegeben sein. Wenn die Menschen wissen, dass sie zB bis 2050 den Klimabonus erhalten und danach nicht mehr, können sie sich darauf einstellen. Natürlich sollte das Zieldatum alle 5 Jahre evaluiert und ggf. nachjustiert werden.

    CO2-Bonus Entwicklung

    Da hab ich mir mal angeschaut, wie sich das mit einer allfälligen CO2-Umlage entwickeln könnte.

    Das Modell ist EU-weit aufgesetzt und geht davon aus, dass alle EU-EinwohnerInnen eine CO2-Gutschrift von € 200,- pro Jahr ausbezahlt bekommen, konstant. Die Frage war jetzt, was passiert eigentlich wenn es aus CO2 keine Einnahmen mehr gibt, was ja etwa 2050 der Fall sein soll.

    Das heißt man kann die CO2-Umlage nur befristet einführen, was aber nicht so das Problem sein sollte, wenn die Frist lange genug bekannt ist.

    Jedenfalls wird dadurch die Tonne CO2 immer teurer, je weniger ausgestoßen wird, weil weniger Tonnen die gleiche CO2-Gutschrift bestreiten müssen. Es geht aber glücklicherweise sehr gemächlich aufwärts, erst in den letzten Jahren vor 2050 wird es empfindlich. Es wird jedenfalls klar, dass die CO2-Substitution umso teurer wird, je länger man zuwartet.

    Hat interessante Aspekte das Modell, die man in den Details natürlich noch durchkonstruieren und durchrechnen muss…

  • Josef Tüfer
    Beitragsanzahl: 0

    Gute Zusammenstellung! Die meisten Massnahmen kann ich unterstützen. Eine wesentliche Massnahme fehlt aber, wie auch in fast allen ähnlichen Studien. Es ist die Bevölkerungsfrage, die aus meiner Sicht weltweit, aber auch in der Schweiz nicht ausgeklammert werden darf, hängt doch der CO2-Ausstoss und der Verbrauch der natürlichen Ressourcen wesentlich davon ab. Seit meiner Kindheit hat sich die Bevölkerung der Schweiz fast verdoppelt mit allen damit verbundenen negativen Folgen für die Umwelt…

Antwort auf: 2. Kapitel: Was halten Sie von den 23 Schlüsselmassnahmen?
Deine Information: